Das Rahmenprogramm der Sonderausstellung „Schwere Schritte. Bocholter Geschichten von Flucht und Neubeginn“ geht im Oktober in eine besonders vielseitige Phase. Vorträge, Lesungen, Tanztheater, kreative Angebote und zahlreiche Ausstellungsführungen ermöglichen ganz unterschiedliche Zugänge zu den Themen Flucht, Migration, Ankommen und Neubeginn.

„Im Oktober zeigt sich noch einmal die ganze Bandbreite unseres Rahmenprogramms“, sagt Lisa Resing, Leiterin des Stadtmuseums Bocholt. Persönliche Lebensgeschichten stehen dabei ebenso im Mittelpunkt wie Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, kommunale Flüchtlingshilfe oder aktuelle europäische Entwicklungen. Viele Veranstaltungen werden mit einer öffentlichen Führung durch die Ausstellung verbunden und ermöglichen so eine unmittelbare Verknüpfung mit den Inhalten von „Schwere Schritte“.

Heimatverlust zwischen Trauma und Neuanfang
Den Auftakt macht am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 19 Uhr Prof. Dr. Erika Rosenberg-Band mit dem Vortrag „Heimatverlust – Trauma oder Chance für einen Neuanfang?“. Rosenberg-Band wurde 1951 in Argentinien als Tochter deutsch-jüdischer Flüchtlinge geboren und arbeitet als Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin. In ihrem Vortrag spricht sie über den Heimatverlust ihrer Eltern und dessen Auswirkungen auf ihr eigenes Leben. Die anschließende Diskussion weitet den Blick: auf den Neuanfang Vertriebener nach dem Zweiten Weltkrieg in Bocholt, die mögliche Weitergabe traumatischer Erfahrungen an nachfolgende Generationen sowie auf Erfahrungen heutiger Geflüchteter und Migrantinnen und Migranten. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich beim Verein für Heimatpflege Bocholt e. V. unter vfh.bocholt@gmail.com.

„Witamy heißt Willkommen!“ – Lesungen für Schulen
Am Freitag, 9. Oktober, richtet sich das Programm zunächst gezielt an Schulklassen. Die Autorin Antje Bones liest um 8.15 Uhr sowie um 10.45 Uhr aus ihrem Buch „Witamy heißt Willkommen!“. Im Mittelpunkt steht Edith, die mit ihrer Familie von Berlin nach Krakau zieht. Eine neue Stadt, eine andere Sprache und der Abschied von Freunden stellen ihr bisheriges Leben auf den Kopf. Bei ihren Erkundungen des zunächst fremden neuen Zuhauses stößt sie gemeinsam mit ihren Freunden auf geheimnisvolle Briefe – und auf eine Geschichte, die ihr Krakau auf unerwartete Weise näherbringt. Die beiden jeweils 90-minütigen Veranstaltungen sind Schulveranstaltungen mit vorheriger Anmeldung über die Stadtbibliothek Bocholt. Ansprechpartnerin ist Claudia Alders, claudia.alders@bocholt.de.

Ausstellung selbst kreativ entdecken mit der JUNGEN UNI
Ebenfalls am 9. Oktober, von 16 bis 18 Uhr, sind Jugendliche zwischen 13 und 15 Jahren zu einer „Kreativen Begehung der Ausstellung“ eingeladen. Gemeinsam mit der Künstlerin Nora Weßel, die selbst mit einer Arbeit an „Schwere Schritte“ beteiligt ist, erkunden die Teilnehmenden zunächst die historischen, biografischen und künstlerischen Ebenen der Ausstellung. Anschließend sind sie eingeladen, einen eigenen Zugang zu den Kunstwerken zu entwickeln und Gedanken, Fragen und Gefühle in Bildern, Gedichten oder kurzen Texten festzuhalten. Die Kursgebühr beträgt 6 Euro, eine Anmeldung ist erforderlich. Weitere Informationen und Anmeldung über www.juboh.de.

„Unser Weg“: Persönliche Fluchtgeschichte als Tanztheater
Ein besonderer Programmtag folgt am Sonntag, 11. Oktober. Die Tänzer Karyna und Dmytro Borodii präsentieren mit „Unser Weg“ ihre persönliche Geschichte als Tanztheater. Was bedeutet es, die eigene Heimat verlassen zu müssen? Wie verändert sich ein Leben, wenn Krieg von einem Tag auf den anderen alles infrage stellt? In ihrer Performance erzählen Karyna und Dmytro Borodii von ihrem Leben vor dem Krieg, von ihrer Flucht und vom Neuanfang in einem fremden Land. Tanz und Bewegung ermöglichen dabei einen Zugang zu Erfahrungen und Emotionen, die sich mit Worten allein nur schwer vermitteln lassen. Die Performance wird zweimal gezeigt: von 11.15 bis 11.30 Uhr sowie von 17.15 bis 17.30 Uhr im Veranstaltungssaal des LernWerks. Beide Aufführungen können mit einer Führung durch die Ausstellung kombiniert werden. Die Führungen beginnen um 10 Uhr beziehungsweise um 16 Uhr.

„Bocholt liest!“: Evelyne Waithira Müller zu Gast
Am Donnerstag, 15. Oktober, beginnt um 18 Uhr zunächst eine kostenfreie öffentliche Führung durch die Sonderausstellung. Um 19.30 Uhr folgt im Rahmen von „Bocholt liest!“ die Lesung „Frau Müller, die Migrantin“ mit Evelyne Waithira Müller. In ihrer Autobiografie „Frau Müller, die Migrantin – Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben“ erzählt Müller ehrlich, humorvoll und persönlich von ihrem Weg aus Kenia nach Deutschland. Sie berichtet von Einsamkeit und Kulturschock, von Erfahrungen mit Rassismus, aber auch von Mut, persönlichem Wachstum und ihrem Weg in ein neues gesellschaftliches Umfeld. Ihre Geschichte eröffnet zugleich Fragen nach Vorurteilen, Zugehörigkeit und dem Zusammenleben in einer vielfältigen Gesellschaft. Einlass ist ab 19 Uhr. Die Lesung kostet 9 Euro im Vorverkauf und 10 Euro an der Abendkasse. Karten und Anmeldung sind über www.vhs-bocholt.de, die Geschäftsstelle der VHS und die Stadtbibliothek erhältlich.

Und wie funktioniert eigentlich die kommunale Flüchtlingshilfe in Bocholt?
Am Dienstag, 20. Oktober, verbindet das Stadtmuseum erneut Ausstellungsbesuch und vertiefende Information. Um 17 Uhr beginnt eine kostenfreie öffentliche Führung durch „Schwere Schritte“.
Um 18.30 Uhr folgt der Vortrag „Ankommen in Bocholt – Kommunale Flüchtlingshilfe im Alltag“. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs Soziales der Stadt Bocholt geben Einblicke in die praktische Arbeit vor Ort: Welche Aufgaben übernimmt die Kommune bei der Unterbringung geflüchteter Menschen? Welche Versorgung und Unterstützung gibt es? Wie funktioniert das Bocholter Wohnstufenkonzept? Und welche unterschiedlichen Akteure wirken in der örtlichen Flüchtlingshilfe zusammen? Auch Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz werden erläutert. Im Anschluss besteht Gelegenheit für Fragen und Austausch. Führung und Vortrag sind kostenfrei. Eine Anmeldung beim Stadtmuseum Bocholt ist erforderlich.

Europe Direct: Das neue europäische Asylsystem im Blick
Am Mittwoch, 21. Oktober, startet um 17 Uhr ebenfalls eine öffentliche und kostenfreie Führung durch die Ausstellung. Anschließend spricht um 18.30 Uhr Prof. Dr. Thilo Harth über das reformierte Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS). Unter dem Titel „Das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem der Europäischen Union – Ist jetzt alles im Lot?“ erläutert Harth zentrale Veränderungen und ordnet diese rechtlich und politisch ein. Im Mittelpunkt stehen unter anderem veränderte Asylverfahren, Zuständigkeiten innerhalb der Europäischen Union und die stärkere Steuerung von Migration an den EU-Außengrenzen. Der Vortrag fragt danach, welche Ziele mit der Reform verbunden sind, welche Veränderungen sich ergeben und welche rechtlichen sowie politischen Fragen weiterhin diskutiert werden. Prof. Dr. Thilo Harth ist Mitglied im Speakers-Pool Team EUROPE DIRECT der Europäischen Kommission. Informationen und Anmeldung zum Vortrag über das EUROPE DIRECT Bocholt, Telefon 02871 / 953-1287, E-Mail europe-direct@bocholt.de. Ansprechpartnerin ist Sonja Wießmeier. Für die Führung um 17 Uhr erfolgt die Anmeldung über das Stadtmuseum Bocholt.

Drei Tage „Malzeit“ für Kinder und Jugendliche
Von Dienstag, 27. Oktober, bis Donnerstag, 29. Oktober, sind Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren täglich von 15 bis 17 Uhr zur „Malzeit“ eingeladen, mitzugestalten. Im Mittelpunkt steht die kreative Auseinandersetzung mit den Themen Flucht und Neubeginn. Zu Beginn besuchen die Teilnehmenden gemeinsam die Sonderausstellung „Schwere Schritte“ und beschäftigen sich mit den Geschichten, Perspektiven und künstlerischen Arbeiten, die dort zu sehen sind. Anschließend können sie ihren eigenen Gedanken und Emotionen mit Farbe und Pinsel Ausdruck verleihen. Dabei steht auch die Frage im Raum: Wie können wir unseren Frieden bewahren und das Miteinander stärken? Die jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer können diese und andere Gedanken frei aufgreifen und ganz eigene Bilder entwickeln. Ob abstrakt oder figürlich, zurückhaltend oder farbenfroh - entscheidend ist der persönliche Zugang. Der Spaß am Malen steht dabei an erster Stelle. Begleitet wird der Workshop von den Ausstellungskünstlerinnen Sieglinde Potthoff und Heidi Artz. Beide unterstützen die Kinder und Jugendlichen mit Anregungen, Rat und praktischer Hilfe während des kreativen Prozesses. Die entstandenen Arbeiten werden am 1. November 2026 angrenzend an die Ausstellungsfläche präsentiert. Eine vorherige Anmeldung beim Stadtmuseum Bocholt ist erforderlich.

Letzte Chance auf eine öffentliche Führung durch das Stadtwaldlager

Am Mittwoch, 28. Oktober, um 16.30 Uhr bietet sich zugleich die letzte Gelegenheit in diesem Jahr, an einer öffentlichen Führung durch das Bocholter Stadtwaldlager teilzunehmen. Der abschließende Termin richtet sich dieses Mal speziell an Kinder und Jugendliche. Altersgerecht wird die wechselvolle Geschichte des historischen Geländes vermittelt und unmittelbar vor Ort erfahrbar gemacht. Die jungen Teilnehmenden erhalten Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich dem historischen Ort aus ihrer eigenen Perspektive zu nähern. Die Führung ist kostenfrei, eine Anmeldung beim Stadtmuseum Bocholt ist erforderlich.

Die Oktobertermine im Überblick

  • 08.10.2026 | 19 Uhr: „Heimatverlust – Trauma oder Chance für einen Neuanfang?“ mit Prof. Dr. Erika Rosenberg-Band – kostenfrei, Anmeldung über den Verein für Heimatpflege
  • 09.10.2026 | 8.15–9.45 Uhr und 10.45–12.15 Uhr: „Witamy heißt Willkommen!“ – Schullesungen mit Antje Bones, Anmeldung über die Stadtbibliothek
  • 09.10.2026 | 16–18 Uhr: Kreative Begehung von „Schwere Schritte“ mit Nora Weßel für 13- bis 15-Jährige – 6 Euro, Anmeldung über JuBOH
  • 11.10.2026 | 10 Uhr: Kuratorenführung durch „Schwere Schritte“
  • 11.10.2026 | 11.15 Uhr: Tanztheater „Unser Weg“ mit Karyna und Dmytro Borodii
  • 11.10.2026 | 16 Uhr: Kuratorenführung durch „Schwere Schritte“
  • 11.10.2026 | 17.15 Uhr: Tanztheater „Unser Weg“ mit Karyna und Dmytro Borodii
  • 15.10.2026 | 18 Uhr: Öffentliche Führung durch „Schwere Schritte“ – kostenfrei
  • 15.10.2026 | 19.30 Uhr: „Bocholt liest!“ mit Evelyne Waithira Müller – VVK 9 Euro / Abendkasse 10 Euro
  • 20.10.2026 | 17 Uhr: Öffentliche Führung durch „Schwere Schritte“ – kostenfrei
  • 20.10.2026 | 18.30 Uhr: „Ankommen in Bocholt – Kommunale Flüchtlingshilfe im Alltag“ – kostenfrei
  • 21.10.2026 | 17 Uhr: Öffentliche Führung durch „Schwere Schritte“ – kostenfrei
  • 21.10.2026 | 18.30 Uhr: „Das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem“ mit Prof. Dr. Thilo Harth
  • 27.–29.10.2026 | jeweils 15–17 Uhr: „Malzeit“ mit Sieglinde Potthoff für 10- bis 15-Jährige – Anmeldung erforderlich
  • 28.10.2026 | 16.30 Uhr: Letzte öffentliche Führung des Jahres durch das Bocholter Stadtwaldlager – speziell für Kinder und Jugendliche, kostenfrei, Anmeldung Stadtmuseum
  • 29.10.2026 | 17 Uhr: Öffentliche Führung durch „Schwere Schritte“ – kostenfrei

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es beim Stadtmuseum Bocholt unter www.stadtmuseum-bocholt.de, per E-Mail an stadtmuseum@bocholt.de oder telefonisch unter 02871 / 953-2171.

Die Sonderausstellung „Schwere Schritte. Bocholter Geschichten von Flucht und Neubeginn“ und ihr Begleitprogramm werden mit Unterstützung des Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Heimat-Fonds, des LWL-Museumsamtes für Westfalen, der Stadtsparkasse Bocholt sowie der Rudolf-und-Margot-Ostermann-Stiftung realisiert. Das Stadtmuseum dankt darüber hinaus allen Projekt- und Kooperationspartnerinnen und -partnern, die das umfangreiche Rahmenprogramm gemeinsam ermöglichen.

 

Ausstellung „Schwere Schritte"
© Stadt Bocholt