Eine Delegation aus den Niederlanden informierte sich jetzt in Bocholt über das System der Notfall-Informationspunkte. Die Gäste aus der Sicherheitsregion Nord- und Ost-Gelderland planen den Aufbau ähnlicher Strukturen und nutzten den Austausch für praktische Einblicke. Bocholt ist im Kreis Borken einer der Vorreiter bei dieser Form der Krisenvorsorge.

In dieser Woche empfing die Stadt Bocholt Besuch aus den Niederlanden. Anton Stapelkamp, Bürgermeister der Nachbargemeinde Aalten, informierte sich gemeinsam mit Vertretungen der Sicherheitsregion Nord- und Ost-Gelderland sowie der Gemeinden Ermelo, Nunspeet und Harderwijk über die lokale Organisation des Bevölkerungsschutzes in Bocholt. Petra Taubach, Bocholts Europabeauftragte, begrüßte die Gäste im Sporker Saal.

Im Mittelpunkt des Interesses standen die sogenannten Notfallinformationspunkte, kurz NIP, die in Bocholt bereits fest etabliert sind. Die mit Notstrom versorgten Notfallinformationspunkte dienen in Krisenlagen, beispielsweise bei großflächigem Stromausfall, der Bevölkerung als Anlaufstelle, um Informationen zu erhalten, Notrufe absetzen oder sich mit sauberem Trinkwasser versorgen zu können. Während in Deutschland das Thema bereits seit dem Jahr 2016 intensiv verfolgt wird, starten die niederländischen Kommunen aktuell eine Pilotphase zur Einrichtung solcher Stützpunkte.

Dieter Helbig vom Fachbereich Öffentliche Ordnung, der bei der Stadt Bocholt unter anderem für den Bevölkerungsschutz zuständig ist, erläuterte den Gästen die strategische Ausrichtung und die Hintergründe des Systems. Er verdeutlichte, dass die Gasmangellage vor einigen Jahren die Notwendigkeit zur Einrichtung der Informationspunkte in Bocholt massiv beschleunigt habe.

Bocholt unterhält insgesamt elf solcher Anlaufstellen im Stadtgebiet. Im Vergleich zu vielen Nachbarkommunen, die oft nur über eine geringere Anzahl verfügen, ist das Bocholter System besonders breit aufgestellt. Ein wesentlicher Aspekt des Austausches war die personelle Besetzung der Punkte im Ernstfall. In Bocholt werden die Anlaufstellen im Notfall durch rund 150 städtische Mitarbeitende in Wechselschicht betrieben. Auf niederländischer Seite stieß insbesondere die Frage nach der Einbindung von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern auf Interesse.

Ein weiteres zentrales Thema des Fachgesprächs war die technische Ausstattung und Kommunikation. Die Stadt Bocholt betreibt ein eigenes Funknetz, das im Krisenfall die Verbindung zwischen den Standorten sicherstellt. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die exakte Ausrichtung des Netzes an der Staatsgrenze dar, da die Vorgaben der Bundesnetzagentur eine Ausstrahlung in das niederländische Hoheitsgebiet untersagen.

Die Zusammenarbeit soll über den bloßen Wissensaustausch hinaus vertieft werden. Bürgermeister Anton Stapelkamp regte an, insbesondere die grenznahen Ortsteile Suderwick und Dinxperlo im Katastrophenfall gemeinsam zu betrachten, um sich gegenseitig direkt unterstützen zu können.

Auch vonseiten der Bocholter Feuerwehr wurde betont, dass die Zusammenarbeit auf professioneller Ebene bereits hervorragend funktioniere und nun die administrativen Ebenen der Verwaltungen enger verzahnt werden müssen. Die niederländische Delegation sprach zum Abschluss eine Einladung zu einer künftigen Übung in Aalten aus, um den grenzübergreifenden Dialog fortzusetzen. Die geplante Pilotphase in den Niederlanden startet im Januar 2026 und soll von den in Bocholt gewonnenen Erkenntnissen profitieren.

Weitere Informationen zu den Notfallinformationspunkten gibt es unter www.bocholt.de/krise

 

Bei einem Treffen am Sporker Saal tauschten sich die deutschen und niederländischen Kolleginnen und Kollegen aus
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