Das Foto des Monats Juni zeigt mit dem Ausflugsboot "Aa-Meise" eine touristische Attraktion aus den 70er-Jahren.
Oberbürgermeister Günther Hochgartz sprach am 9. Juli 1977 von einem denkwürdigen Augenblick. Seine Ehefrau Margarete hatte unmittelbar vorher eine Sektflasche gegen die Seitenwand eines Ausflugsbootes geschleudert, das hierdurch den Namen „Aa-Meise“ erhielt. Mit der Übergabe dieses Vergnügungsschiffes in Höhe der Schwanenstraße war die Stadt Bocholt um eine große Attraktion reicher.
Das städtische Presse- und Werbeamt hatte gemeinsam mit dem örtlichen Hotel- und Gaststättenverband diese Initiative zur Förderung des Städtetourismus entwickelt. In den ersten Jahren ihres Betriebes erwies sich die „Aa-Meise“ durchaus als Attraktion für Touristen, Firmen, Vereine und Gesellschaften. Damals verzeichnete die Stadt jährlich um die 70 Gruppen, die zwischen der Anlegestelle an der Uferstraße und der Eisenhütte in Liedern hin und her pendelten. 1984 ging die Zahl der Buchungen auf 40 zurück, im Sommer 1985 zählte die mittlerweile privatisierte Stadtinformation lediglich die Anmeldung eines einzigen Clubs. Ein Jahr später kaufte ein Bocholter Gastwirt die „Aa-Meise“ und restaurierte sie auf eigene Kosten. Das Boot erhielt einen neuen Anstrich, einen modernen 50-PS-Außenbordmotor und wurde ferner mit einem gasbetriebenen Grill, zwei Kühltruhen und einer Funkanlage ausgestattet. Das Foto zeigt den Geschäftsführer der Stadtinformation, Helmut Rolke (links), und den Gastwirt Ludger Büning als es nach der Renovierung des Bootes unter dem Motto „Leinen los“ am 13. Juni 1986 wieder auf große Fahrt ging. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 15 Schiffstouren gebucht. Außerdem bot die Stadtinformation während der Sommerferien sonntags Familien- und fernerhin Kaffeefahrten an.
Am Neujahrstag 1987 havarierte die „Aa-Meise“ jedoch und versank zum Teil. Das herrschende Hochwasser hatte den Bug des Bootes auf die Uferböschung am Nevelkamp gehoben. Als sich nach dem Öffnen der Schleusen der Flusspegel wieder normalisierte, blieb der Bug auf dem Ufer liegen und das Wasser der Aa strömte in das tieferliegende Heck ein. Ein Lastenkran hievte das 15 Meter lange und fünf Meter breite Ausflugsschiff schließlich ans Ufer. Erneut repariert und zu Wasser gelassen, erwies sich die „Aa-Meise“ aber 1989 nach Ansicht von Fachleuten als überholt, veraltet und als technische Fehlkonstruktion. Am 16. Juni 1990 war das Schiff erneut gesunken und nach seiner Bergung endgültig aufgegeben worden.
Foto: Stadtarchiv Bocholt, Bildsammlung Nr. 6834, Text: Wolfgang Tembrink









